Große Ideen kennen keine Grenzen

Lorenzo Bizzi: Dipl.-Kfm., Geschäftsführer
Frank Lottermann: Dipl. Des., Geschäftsführer

Das Nordisk Büro wurde von euch vor über 20 Jahren ins Leben gerufen. Wie kam es zu der Gründung und wie schafft man es, über einen so langen Zeitraum gemeinsam erfolgreich zu sein?

Frank Lottermann: Lorenzo und ich kennen uns schon lange. Seit der Schulzeit, um genau zu sein. Wir haben gemeinsam als Stagehands am Theater gearbeitet und als wir dann während unseres Studiums die Idee einer Design- und Eventagentur hatten, war sofort klar, dass wir das später zusammen machen würden.

Lorenzo Bizzi: Wir hatten ja die gleichen Vorstellungen. Allerdings haben uns nach unseren Abschlüssen noch zwei essentielle Dinge dafür gefehlt: Bekanntheit und Startkapital. Also haben wir einfachheitshalber beides auf einmal erledigt: In den Räumen der ehemaligen Nordisk Spedition haben wir einen Musikclub etabliert und bald darauf von den Einnahmen unsere eigene Agentur gegründet.

Vom Clubbesitzer zum Agenturbesitzer also?

Frank Lottermann: Im Prinzip ja. Die Kommunikation für den Club hat so sehr begeistert, dass wir schnell externe Anfragen bekamen. So wurde dann aus dem Nordisk Club das Nordisk Büro.

Lorenzo Bizzi: Die Designs und Installationen der Partys haben den Leuten sofort unsere Kompetenz gezeigt. Im Clubgeschäft war damals die Frage: Wie sprechen wir die Leute an, damit sie Freitagabend um 23 Uhr zu uns kommen? Heute Fragen wir: Wie kommunizieren wir eine Marke und ihren Mehrwert, damit die Zielgruppe sie als relevant wahrnimmt?

Gibt es dabei etwas, das für jede Zielgruppe funktioniert?

Lorenzo Bizzi: Gerade für Events sind Emotionen am wichtigsten. Also sprich die Leute auch auf emotionaler Ebene an! Ganz gleich, welche Branche, egal, ob B2B oder B2C – Emotionen sind die Ursache von Markenbindungen. Fakten dienen nur der Rechtfertigung.

Frank Lottermann: Die Kraft der Emotionen sollte man nie unterschätzen. Aber man muss immer individuell entscheiden. Also zuerst die Situation analysieren und sich dann eine Strategie für die Kommunikation überlegen.

Strategie ist ein gutes Stichwort. Was genau bedeutet der Zusatz „Strategic Communications“ in eurem Agenturnamen?

Frank Lottermann: Wir könnten viele Briefings so nehmen, wie sie sind, und einfach drauflosarbeiten. Aber die eigentliche Frage muss doch lauten: Was braucht der Kunde wirklich, um seine Ziele zu erreichen? Was ist auf kommunikativer Ebene strategisch sinnvoll?

Lorenzo Bizzi: Und das ist manchmal eben nicht das, was der Kunde bestellt hat. Aber genau da wird es spannend.

Dann arbeitet ihr nach dem Grundsatz „Wir machen das, was uns gefällt“?

Lorenzo Bizzi: Ganz sicher nicht.

Frank Lottermann: Nein, im Gegenteil. Hier gehen manchmal Sachen raus, die gefallen mir persönlich nicht. Aber sie sind das Richtige für unseren Kunden. Und das ist das Wichtigste.

Lorenzo Bizzi: Deshalb kommen unsere Kunden ja auch zu uns. Sie wollen von uns einen optimalen Zugang zu ihrer Zielgruppe bekommen – und den bekommen sie dann auch. Deshalb hat die strategische Beratung bei uns oberste Priorität und ist nicht nur eine Floskel.

Welche Rolle spielt dabei das Design?

Frank Lottermann: Kommunikation will attraktiv gestaltet sein, um Informationen zu vermitteln; in Form von Typo, Farbe, Bild, Ton. Designer arbeiten Infos und Emotionen durch Gestaltung in Form und Medium ein. Gutes Design erleichtert das Verständnis der Botschaft.

Lorenzo Bizzi: Es unterstreicht die Relevanz.

Frank Lottermann: Ganz genau. Schlimm wird es immer, wenn Kommunikation völlig am Thema vorbeigeht. Da wurde dann meistens nicht auf die Leute gehört, die sich schon jahrelang damit beschäftigen. Das Ergebnis: Irrelevante Botschaft, falsche Wellenlänge, falscher Empfänger – dann verbrenn doch lieber das Geld und berichte darüber. Das hat bestimmt mehr Impact.

Lorenzo Bizzi (lacht): Vielleicht sollten wir das mal als Event vorschlagen?

Hat die digitale Transformation eigentlich starke Auswirkungen auf das Gebiet der Events?

Lorenzo Bizzi: In Bezug auf Events ist die Digital Customer Experience heute der Standard. Wenn du mehrere hundert Partner aus aller Welt zu einer mehrtägigen Businesskonferenz einlädst, verteilst du keine Zettel mehr, sondern RFDI-Armbänder. Da hast du Eintrittskarte, Hotelschlüssel und Bezahlsystem in einem. Und die Teilnehmernavigation erfolgt über eine App, die von Konferenz- und Dinner-Location bis zu Sightseeing-Touren alles für die Besucher managt. Convenient halt.

Also auch hier lieber digital als analog?

Lorenzo Bizzi: Warum reden eigentlich immer noch alle von „analog oder digital“, als ob das zwei voneinander losgelöste Bereiche wären? Die funktionieren doch erst richtig durch Vernetzung.

Frank Lottermann: Natürlich gibt es diese Einteilung „analog/digital“, aber eben nur als eine Beschreibung der jeweiligen Tätigkeit. Nicht als eine starre Abgrenzung zweier voneinander losgelöster Gebiete.

Lorenzo Bizzi: Das sind fließende Wechselwirkungen. Erlebnisorte für Lifestyle-Typologien werden geschaffen, ohne dass man an jeder Stelle unbedingt digital sein muss. Aber es sind digitale Lebensregeln, die dort Anwendung finden! Wir vernetzen uns analog und digital und dann wieder analog – so bleibt es spannend.

Frank Lottermann: Und relevant. Wie man an Kampagnen mit User-generated Content sieht. Nur so als Bild: Ich kann ja auch in ein Moleskin-Buch mit Bleistift schreiben und trotzdem ein iPhone benutzen. Beides hat seine Stärken und Schwächen.

Die da wären?

Frank Lottermann: „Material Design“, „Flat Design“ – alles schön und gut, aber die Entwicklungen des digitalen Designs sind sehr schnelllebig. Im Print ist ein schön gestaltetes Buch nach 20 Jahren immer noch schön. Genauso wie gutes Papier. Eine Internetseite kann schon nach zwei Jahren alt aussehen.

Welches konkrete Thema spielt im Moment für euch eine wichtige Rolle?

Frank Lottermann: Ich würde sagen, Nachhaltigkeit. Wir finden es sehr wichtig, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen – in Bezug auf Energie, Umwelt, aber auch Zeit und Personen. Das versuchen wir nicht nur für uns selbst zu optimieren, sondern unterstützen auch viele Kunden dabei.

Lorenzo Bizzi: In den letzten Monaten haben wir zum Beispiel eine große internationale Finanzkonferenz zum Thema „Responsible Investment“ vorbereitet, bei der die Veranstaltung selbst so ressourcenschonend wie möglich von uns umgesetzt wurde.

Wie seht ihr beiden die Zukunft des Nordisk Büros? Werdet ihr auch – wie andere Agenturen – eure Tätigkeitsfelder ausweiten in Richtung Produktentwicklung oder Change Management?

Lorenzo Bizzi: Ganz ehrlich, Change Management haben wir im Grunde schon gemacht, als es noch „Organisationsentwicklung“ hieß. Schließlich begleiten wir unsere Kunden beratend bei den unterschiedlichsten Prozessen auf kommunikativer Ebene.

Wie würdet ihr denn dann die zukünftigen Ziele der Agentur beschreiben?

Frank Lottermann: Wir wollen noch tiefer in die neuen Bedürfnisse eintauchen, die unsere Gesellschaft hervorbringt, clevere Lösungen dafür finden und sinnvolle Verknüpfungen erstellen. Wenn man die richtigen Menschen, Kompetenzen und Bereiche miteinander verbindet, wird es innovativ.

Lorenzo Bizzi: Den Vernetzungsgedanken auf allen Ebenen noch viel stärker zu leben, ist oberste Priorität – auch in Form von gebündelten Angebotsformen. Und noch mutiger zu werden! Wenn ich zum Beispiel eine Consumer-Messe überdenke, muss ich auch fragen können: Gehört eine Digitalmesse wirklich in eine Halle? In diesem kreativen Spannungsfeld liegen wahnsinnig viele Potenziale. Und die besten Chancen für eine Zukunft mit neuen, spannenden Experiences.

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